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Sechs Treffen, viele Perspektiven: Pädagogischer Arbeitskreis zieht Bilanz

In der ersten Sitzung wurden die Themen für den weiteren Verlauf gesetzt

Nach einem halben Jahr wird deutlich, worum es im Arbeitskreis eigentlich geht: gemeinsam über gute Ausbildung nachzudenken – und voneinander zu lernen.

Was braucht guter Unterricht? Wie lassen sich Schülerinnen und Schüler besser motivieren? Welche Rolle kann Künstliche Intelligenz im Ausbildungsalltag spielen? Und wie gelingt es, Theorie und Praxis enger miteinander zu verbinden?

Fragen wie diese beschäftigen Lehrkräfte, Dozierende und Praxisanleitende jeden Tag. Beim Pädagogischen Arbeitskreis der Akademie werden sie gemeinsam diskutiert – und zunehmend aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet.

Denn beim sechsten Treffen ist erstmals die Perspektive derjenigen hinzugekommen, um die sich letztlich alles dreht: die der Auszubildenden. Sie erzählen, was sie im Unterricht und in der Praxis erleben, was ihnen beim Lernen hilft und wo sie noch Verbesserungsmöglichkeiten sehen. Für Anja Amberger, Leiterin Fort- und Weiterbildung und Initiatorin des Pädagogischen Arbeitskreises, zeigt sich darin die Bedeutung des Formats besonders deutlich. „Heute hat man gesehen, wie wichtig dieses Konzept ist. Die Auszubildenden haben so viel Input geliefert als Diskussionsgrundlage“, sagt sie. Entscheidend sei dabei immer, dass die Ausbildung der Auszubildenden im Mittelpunkt stehe. „Sich darüber Gedanken zu machen und neue Inhalte in den Alltag zu übertragen, ist unglaublich wichtig.“

Von der Methodensammlung zur Grundsatzfrage

Dabei war die sechste Sitzung keineswegs der Startpunkt. Vor rund einem halben Jahr begann der Arbeitskreis zunächst mit einer offenen Frage: Was beschäftigt die Teilnehmenden in ihrem Ausbildungsalltag?

Das Programm wurde nicht vorgegeben, sondern gemeinsam entwickelt. Beim ersten Treffen entstand ein breiter Themenpool – von konkreten Fragen des Unterrichts bis hin zu grundsätzlichen Überlegungen zur Gestaltung von Ausbildung.

Eine der ersten Stationen war die Frage, wie Schülerinnen und Schüler aktiver in den Unterricht einbezogen werden können. Beim zweiten Treffen ging es deshalb um Methoden und Motivation. In einem Speed-Dating-Format stellten sich die Teilnehmenden in kurzen Gesprächsrunden gegenseitig Unterrichtsmethoden vor. Für Renate Döbler, Lehrkraft an der Berufsfachschule für Pflege und regelmäßige Teilnehmerin des Arbeitskreises, ist genau dieser praktische Austausch besonders wertvoll. Sie habe dabei „neue Methoden kennengelernt, aber auch alte wieder in Erinnerung gerufen“, die sie inzwischen im Alltag einsetze.

Es blieb nicht bei Methoden. Eine weitere Sitzung widmete sich der Künstlichen Intelligenz und damit einer Technologie, die auch den Bildungsbereich zunehmend verändert. Entscheidend war dabei weniger die Frage, was technisch möglich ist, sondern vielmehr: Wo kann KI Lehrkräfte tatsächlich unterstützen? Auch hier nahm Döbler konkrete Impulse mit. Aus der KI-Sitzung habe sie „einige Vorschläge zur Unterrichtsvorbereitung mitgenommen, die ich angewendet habe“.

Wenn Theorie auf Praxis trifft

Beim vierten Treffen wechselte der Blickwinkel erneut. Im Mittelpunkt stand das Verhältnis von Schule und Praxis: Wie können theoretische Inhalte und praktische Erfahrungen besser miteinander verbunden werden? Wie können beide Lernorte stärker voneinander profitieren?

Eine Frage, die auch beim anschließenden Blick auf das Curriculum eine Rolle spielte. Beim fünften Treffen ging es um die Grundlagen: Welche Inhalte sind wirklich wichtig? Was sollen Auszubildende am Ende ihrer Ausbildung können? Und wie müssen Themen aufeinander aufbauen, damit daraus ein stimmiges Gesamtbild entsteht?

So wurde aus einzelnen Fragestellungen nach und nach ein größerer Blick auf Ausbildung. Die Themen sind unterschiedlich, doch sie verbindet eine gemeinsame Idee: Pädagogische Fragen sollen nicht nur theoretisch diskutiert werden. Die Teilnehmenden sollen Erfahrungen austauschen, voneinander lernen und konkrete Impulse für ihren Ausbildungsalltag mitnehmen.

Unterschiedliche Perspektiven an einem Tisch

Dass dabei verschiedene Sichtweisen zusammenkommen, ist ein wesentlicher Gedanke des Arbeitskreises. Lehrkräfte bringen ihre Erfahrungen aus dem Unterricht ein, Praxisanleitende ihren Blick auf die praktische Ausbildung – und seit dem sechsten Treffen auch die Auszubildenden ihre unmittelbaren Erfahrungen aus beiden Lernwelten.

„Das Konzept bringt verschiedene Akteure an einen Tisch“, beschreibt Renate Döbler den Ansatz. Zunächst seien es Dozierende, Lehrkräfte und Praxisanleitende gewesen, inzwischen kämen die Auszubildenden hinzu. Dadurch entstehe die Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen, Probleme besser zu verstehen und „viel voneinander zu lernen“.

Der Austausch endet dabei nicht an den Grenzen einzelner Schulen oder Abteilungen. Auch Mitarbeitende des Universitätsklinikums Heidelberg sowie der Heidelberger Akademie für Gesundheitsberufe können teilnehmen.

Und auch die Lehrenden selbst verstehen sich dabei als Lernende. Ein weiteres Thema ist für Döbler deshalb das lebenslange Lernen: „Das schreiben wir nicht nur den Schülerinnen und Schülern auf die Fahnen, sondern eben auch uns Lehrer:innen.“ Der Arbeitskreis wird damit selbst zu einem Lernort – für alle, die an Ausbildung beteiligt sind.

Auf der Suche nach einem gemeinsamen Verständnis

Nach sechs Treffen zeichnet sich deshalb eine Entwicklung ab: Aus dem Austausch über einzelne Methoden und Themen wird zunehmend die Frage nach einem gemeinsamen pädagogischen Verständnis.

Prof. Dr. Karl-Heinz Sahmel, Pädagogischer Berater der Akademie UMM und Initiator des Pädagogischen Arbeitskreises, sieht den Arbeitskreis an einem wichtigen Punkt angekommen. „Wir nähern uns langsam dem Grundgedanken der Veranstaltung an, welche gemeinsame pädagogische Vorstellung wir haben oder entwickelt haben.“ Nun gehe es darum, genauer hinzuschauen: Gibt es tatsächlich ein gemeinsames Verständnis? Wo liegen Unterschiede, beispielsweise zwischen Lehrenden und Praxisanleitenden? Und wie lässt sich trotz dieser Unterschiede ein gemeinsames Leitbild entwickeln und festlegen?

Noch ist dieser Prozess nicht abgeschlossen. Und genau das ist vielleicht eine der wichtigsten Erkenntnisse nach einem halben Jahr Arbeitskreis: Es geht nicht darum, möglichst schnell fertige Antworten zu produzieren. Es geht darum, die richtigen Fragen gemeinsam zu stellen – und unterschiedliche Perspektiven miteinander ins Gespräch zu bringen.

Sechs Treffen sind erst der Anfang

Die Themenliste ist deshalb weiterhin lang. Heterogene Lerngruppen, neue Technologien, die Verbindung von Theorie und Praxis und die Frage nach einem gemeinsamen pädagogischen Verständnis werden den Arbeitskreis auch in Zukunft beschäftigen.

Am ersten Mittwoch im Oktober geht es weiter. Dann sollen die Ergebnisse und Impulse der sechsten Sitzung noch einmal genauer betrachtet und weiterentwickelt werden.

Anja Amberger wünscht sich, dass die bisherigen Themen nicht einfach abgeschlossen, sondern weitergeführt und vertieft werden. „Am Ende soll eine runde Sache entstehen, aus der jeder etwas mitnehmen und in die Schulen, die Ausbildung, die Praxis transportieren kann.“ Gleichzeitig ist ihr wichtig, dass auch die Auszubildenden selbst erleben, dass Lernen keine Einbahnstraße ist. Lehrkräfte seien keineswegs allwissend, sondern würden „regelmäßig Neues aufgreifen und lernen“.

Vielleicht ist genau das die wichtigste Zwischenbilanz nach sechs Treffen: Gute Ausbildung entsteht nicht allein durch Curricula, Konzepte oder neue Methoden. Sie entsteht dort, wo Menschen bereit sind, zuzuhören, Erfahrungen zu teilen und auch das eigene Verständnis von Lehren und Lernen immer wieder neu zu betrachten.

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